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Ausstellung Orientalismus in Europa

Die Ausstellung «Orientalismus in Europa: Von Delacroix bis Kandinsky» zeigt mit rund 150 Gemälden und Skulpturen die vielfältigen Auseinandersetzungen von fast 100 westeuropäischen Künstlern mit dem islamischen Orient, Nordafrika und dem Nahen Osten.

Orientalismus in Europa. Von Delacroix bis Kandinsky

Orientalismus in Europa. Von Delacroix bis Kandinsky

Die Ausstellung in München setzt beim Ägyptenfeldzug Napoleons (1798-1801) an und führt bis hin zur Moderne des frühen 20. Jahrhunderts. Meisterwerke von Ingres, Delacroix, Gérôme, und Renoir, bis zu Sargent, Klee und Kandinsky stellen den Orientalismus als vielfältiges künstlerisches Thema dar, das Stilrichtungen, künstlerische Positionen und nationale Grenzen überschreitet. Auch von weniger bekannten Künstlern gibt es Großartiges zu entdecken, wie zum Beispiel Arbeiten von Lawrence Alma Tadema, Gustav Bauernfeind, Jaroslav Čermák, Henri Evenepoel, Fabio Fabbi, Osman Hamdi Bey, John Frederick Lewis, Alberto Pasini, Edward Poynter und José Villegas y Cordero.

Die Faszination für die kontinentübergreifende geografische Region beherrscht vom osmanischen Reich, existiert in der westlichen Welt schon so lange es Kenntnis von deren Kulturen und Handel mit ihnen gibt. Im 19. Jahrhundert ändern sich die Verhältnisse jedoch grundlegend. Bis dahin bezog sich der Orientalismus überwiegend als höfische Kunstform. Mit dem Ägyptenfeldzug Napoleons setzt in ganz Europa eine wahre »Ägyptomanie« ein.

Orient – Traum und Wirklichkeit. Lehnert & Landrock 1904 – 1930: Die Fotos von Rudolf Franz Lehnert und Ernst Heinrich Landrock, die zwischen 1904 und 1930 in Nordafrika, Ägypten und Palästina entstanden, stehen zwischen dem Orientalismus als reinem Exotismus und einem malerischen, poetischen Realismus.

Die vom Orientalismus bestimmte Debatte – wird zum einem bestimmt von der Nähe Europas zum Orient und zum anderen durch das Bewusstsein, dass der Orient eine der Quellen unserer abendländischen Kultur ist. So diente der Orient auch als eines der ältesten und am häufigsten wiederkehrenden Bilder des Anderen: Der Orient diente dem Westen dazu, sich ein kontrastierendes Bild zu definieren. Es war die Faszination für den Orient, die den Fotografen Rudolf Lehnert mit seinem Kompagnon Ernst Landrock verband. Aus diesem Grund entschlossen sie sich im Jahre 1904, von Deutschland wegzuziehen, um sich in Tunis niederzulassen. Lehnert entwickelte sich zu einem sehr genauen Beobachter der tunesischen Alltags und dokumentierte diesen mit zahlreichen Fotografien, woraus der einfallsreiche Geschäftsmann Landrock bald die Idee entwickelte, diese in Europa zu vertreiben.

Rouvinez, André (Hrsg.): Lehnert & Landrock. Orient 1904 – 1930. Texte von Charles-Henri Favrod. 4°. 135 S., über 100 ganzs. Abb. Geb. Umschau/Braus, Heidelb. 1998.

Mit der französischen Armee reisen 167 Forscher und Künstler, die in der Folge nicht nur neue wissenschaftliche Disziplinen, sondern auch einen neuen Orientalismus in der Kunst auslösen. Viele Künstler reisen nun als offizielle Gesandte westlicher Regierungen oder auf eigene Initiative an die verschiedensten Originalschauplätze, um die als ursprünglich empfundenen Kulturen zu dokumentieren. Manche lassen sich sogar dauerhaft dort nieder. Ihre Gemälde und Fotografien fördern ihrerseits weiteren Tourismus und prägen ein ganz bestimmtes Bild des Orients, das im Zeitalter des Kolonialismus stark von Überheblichkeit geprägt ist. Die einen erhoffen sich die sinnlichen Freuden aus 1001 Nacht, was sich niederschlägt in den vielen gemalte Drogen- und Haremsfantasien. Andere fasziniert die Emotionalität einer bislang als bedrohlich empfundenen “barbarischen” Kultur.

Auch islamische Städte in Südspanien werden im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, und lösen eine große Neugier auf den Orient aus. Für akademische Künstler steht die Suche nach den Wurzeln der Zivilisation im Vordergrund. Die unendliche Weite der Wüste bietet eine ganz eigene künstlerische Herausforderung und auch die sich entwickelnde Ethnographie und Anthropologie finden ihren Widerhall in der Kunst. Zum Abschluss der Ausstellung werden Werke einiger Künstler der Moderne präsentiert, die sich dem Reiz des Orients ebenfalls nicht entziehen konnten und das Thema in eine neue Bildsprache überführen.

Ausstellung der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München (28. Januar 2011 bis 01. Mai 2011) und den Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique in Brüssel (15. Oktober 2010 bis 09. Januar 2011) sowie den Musées de Beaux-Arts in Marseille in Zusammenarbeit mit der Réunion des Musées Nationaux (Centre de la Vieille Charité 27. Mai 2011 bis 28. August 2011).

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Mit rund 150 Gemälden und Skulpturen gibt das Katalog-Buch, das begleitend zur Ausstellung in Brüssel, München und Marseille erscheint, die vielfältige Auseinandersetzung westlicher Künstler mit dem Mythos Orient wieder. Obwohl französische Künstler in diesem Themenbereich eine Vorreiterrolle gespielt haben, wird der Orientalismus als europäisches Phänomen vorgestellt, einschließlich Künstler aus Osteuropa und der Türkei.

Eine ausführliche Chronologie sowie mehrere Aufsätze von international ­renommierten Experten in diesem Bereich vervollständigen die Betrachtung und behandeln neben den zahlreichen künstlerischen Auseinandersetzungen auch die sozialen, politischen, ethnischen und religiösen Aspekte des Orientalismus. Die umfassende Betrachtung dieses wichtigen und immer noch aktuellen Sujets schließt eine seit langem bestehende Lücke.

Roger Diederen und Davy Depelchin (Hrsg.): Orientalismus in Europa. Von Delacroix bis Kandinsky. Beiträge von R. Benjamin, J. De Hond, Chr. Peltre, L. Georget, R. Irwin, P. Benson Miller, E. Warmenbol, D. Depelchin, R. Diederen. 312 Seiten, 238 Abbildungen in Farbe. 24 × 28 cm, gebunden. Hirmer Vlg. München, 2010.

Im Jahr 2010 bzw. 2011 wird im kul­tu­rel­len Leben der Stadt Mün­chen ab den Som­mer­mo­na­ten mit meh­re­ren Aus­stel­lun­gen und Events der Aus­stel­lung Meis­ter­wer­ke Muhammedanischer Kunst ge­dacht, die be­reits im Jahre 1910 in Mün­chen statt­ge­fun­den hat, weitere Informationen hierzu z.B.: www.freunde-islamischer-kunst.de.

» Buchtipp: Orientalismus. Das Bild des Morgenlandes in der Malerei

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