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Die im Norden von Syrien, an der historischen Schnittstelle zu den Großmächten Ägypten, Kleinasien und Mesopotamien, gelegene orientalisch-islamische Handelsmetropole Aleppo kann ähnlich wie Damaskus auf eine Besiedlung seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. zurückblicken, wie hethitische, akkadische und ägyptische Quellen schriftlich belegen.
Ihre Bedeutung und ihr daraus gewachsener Reichtum ergaben sich aus ihrer geografischen Lage als Wüstenhafen und Umschlagplatz der Karawanen der Weihrauch- und Seidentrasse. Die islamische Eroberung der Stadt 636 n. Chr. brachte dieser aber zunächst den Aufschwung, den Damaskus insbesondere unter den Umayyaden erlebte. In den kommenden Jahrhunderten, insbesondere unter den Abbasiden, die ihre Hauptstadt nach Bagdad verlegen, gerät zunächst einmal aber ins politische Abseits und wird nach der Wiedereroberung durch Byzanz 962 n. Chr. zu weiten Teilen zerstört, so dass mit Ausnahme der von den Umayyaden errichteten großen Moschee kaum bauliche Zeugnisse des frühen Islam erhalten geblieben sind. Die in der frühislamischen Zeit sich bereits herauskristallisierende Zentralisierung der Innenstadt verfestigte sich jedoch in den kommenden
Jahrhunderten und unter den Mamluken entstanden vor allem im 15. Jhd. beachtliche Bauwerke. Der beachtliche Bazar (arab. Suq) noch heute eine der Hauptattraktionen Aleppos - wurde komplett mit steinernen Tonnengewölben überdacht und mit repräsentativen, für die Zeit der Mamluken charakteristischen, in weißen und schwarzen Steinreihen gehaltenen Eingangsportalen versehen. Auch unter den Osmanen verliert Aleppo seine Bedeutung als Handelsmetropole nicht und wird in zeitgenössischen Reiseberichten - dank ihrer alles überragenden Zitadelle, dem Suq und dem eleganten Stadtbild - als die drittprächtigste Stadt, neben Kairo und Istanbul, charakterisiert. Die spätosmanische Bebauung wird heute beispielsweise in der Sharia Khandaq, gegenüber der Großen Moschee, besonders deutlich.
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Livie Joris enge Freundschaft mit der syrischen Soziologin Hala ermöglicht es ihr ein intimes Porträt der modernen syrischen Gesellschaft.
Reisebericht, biographische Er- zählung, Roman und noch viel mehr. Livie Joris schildert ihren sechsmonatigen Aufenthalt in Damaskus, ihr Zusammentreffen mit syrischen Intellektuellen und Regimekritikern und ihre Reisen kreuz und quer durch das jahrtausende alte Land - durch karge Wüstenlandschaften und üppige Oasen, durch moderne Großstädte und kleine Dörfer. Wie ein roter Faden begleitet uns dabei die Lebensgeschichte der syrischen Soziologin Hala, die seit zwölf Jahren zusammen mit ihrer Tochter Asma allein in Damaskus lebt, nachdem der syrische Geheimdienst einst die Wohnung stürmte und ihren Mann Ahmed verhaftete. Halas Leben wird geprägt durch die konservative Familie ihres Mannes, der wechselhaften Tagespolitik und ihrem eigenen Wunsch nach einem selbständigen, unabhängigen Le- ben. Ihre Tragödie wird ihr bewusst, als eine Amnestie
und somit die Rückkehr ihres Mannes bevorsteht - schließlich hat sie schon längst aufgehört Ahmed zu lieben. The New York Times Book Review schreibt "Besseren Reisejournalismus gibt es nicht." - Dem kann nur unumwunden zu- stimmen.
Livie Joris: Die Tore von Damaskus. Eine arabische Reise. Aus dem Niederländischen von Barbara Heller. Kl. 8°. 304 S., Pp. Piper Verlag, München 2000.
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Als eines der markantesten Bauwerke darf wohl die Zitadelle von Aleppo - zugleich Wahrzeichen der Stadt - gelten. Aufgrund des Umstands, dass sie nur durch einen einzigen Eingang über eine Brücke erreicht werden kann, ist sie zugleich die größte und mächtigste aller islamisch-mittelalterlichen Burgen in Syrien, die auch während der Kreuzfahrerzeit nicht erobert wurde. Ihre Geschichte reicht arabischen Quellen zufolge auf Seleukos, dem vermutlichen Gründer Aleppos, zurück, archäologisch gesichert ist eine Bebauung zu byzantinischer Zeit.
Insbesondere unter Nur ad-Din (reg. 1146 1173 n. Chr.) wird der Ausbau und die Sicherung Aleppos und damit auch der Zitadelle betrieben, die neben ihrer militärischen Funktion als Garnison auch als Residenzstätte des ayyubidischen Hofes fungierte. Weitere umfangreiche Baumaßnahmen als Folge des so genannten Mongolensturms wurden dann noch einmal vom letzten mamlukischen Sultan in Auftrag gegeben, so dass das heute zu sehende Bild im wesentlichen auf diese beiden Epochen syrischer Geschichtsschreibung zurückgehen dürfte.
Die unterhalb der Zitadelle und der Großen Moschee gelegenen großflächig überdachten Suqs von Aleppo gelten als überragendes Musterbeispiel für Marktanlagen im Vorderen Orient sowie im gesamten Mittelmeerraum hier wird die Bedeutung und die Ausstrahlung der Stadt überdeutlich sichtbar. Der historische Stadtkern von Aleppo stammt wie bei einer Vielzahl von Orten in der Region bereits im hellenistischen Zeitalter, der mit seinem schachbrettartigen Muster auch heute noch erkennbar ist. Bereits im 8. Jhd. n. Chr umfassten die Bauaktivitäten auch die Gegen um die große Umayyaden-Moschee, wo sechs neue Suqs entstanden. Mitte des 15. Jhds. kam es zur umfangreichen Expansion bei der zahlreiche neue Vororte entstanden und zu einem Bauboom, der auch unter den Osmanen anhielt. Die Altstadt Aleppos zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Umgebung von Aleppo lädt den Besucher zur Erkundung der toten Städte aus der byzantinischen Zeit (Qalb Lhose, Qirq Biseh, al-Bara) sowie der Klosterruine von St. Simon ein. Die in Form eines Oktagons rund 60 km von Aleppo entfernte byzantinische Basilika wurde am Ende des 5. Jhds. zu Ehren St. Simon Stylites erbaut, in deren Mitte jene Säule stand, auf der er 40 Jahre lang gelebt haben soll. Das Kloster gilt als ein wichtiges Beispiel der von syrischen Architekten der byzantinischen Epoche erreichten Schönheit.
Rund 70 km entfernt, in der benachbarten Provinz Idlib, liegt Ebla (Tell Mardikh), ein Ruinengelände, dessen älteste Teile auf das 3. Jahrtausend v. Chr. datiert werden. Die Bedeutung Eblas wurde mit dem 1955 entdeckten Basalt-Alter, der heute im Museum in Aleppo bestaunt werden kann, enthüllt. Weitere im Anschluss durchgeführte archäologische Kampagnen legten eine Stadt frei, die mit einem innen liegenden Wall versehen war, zu welchem vier große Tore und eine mit Türmen versehene Festung gehören. Die Hauptstrasse führte von der Stadtmauer zum Palast des Königs, wo Tontafeln gefunden werden konnten, die nachweisen, dass die Stadt um 2250 v. Chr. zerstört wurde. Der wirkliche Schatz Eblas liegt jedoch vor allem in den königlichen Archiven mit ihren auf rund 16.000 Tontafeln festgehaltenen offiziellen Dokumenten und Korrespondenzen mit denen ein
wichtiger Teil der syrischen Geschichte rekonstruiert werden konnte.
Lattakia ist heute ein beliebtes Erholungszentrum für die Einwohner der im Südosten bzw. Nordosten gelegenen Großstädte aber auch ein bedeutendes Industriezentrum dank seines 1961 eröffneten Hochseehafens. Rund zwölf Kilometer von Lattakia entfernt liegt die altsyrische Handelsstadt und Residenz des gleichnamigen Stadtstaates Ugarit, der für die Erforschung der Region besondere Bedeutung zukommt, da man hier im Rahmen von umfangreichen Grabungsmaßnahmen nicht nur einen weiträumigen Palast sowie Tempel und Wohnviertel fand, sondern auch zahlreiche Zeugnisse der bis dahin unbekannten keilalphabetischen Schrift. Die Funde beweisen aber auch die historische Bedeutung Ugarits, denn die in acht Sprachen und fünf verschiedenen Schriftsystemen gefundenen Dokumente belegen ebenso wie Keramik und Kleinfunde die engen Beziehungen zu Kreta, Ägypten und
Mesopotamien.
Zur Zeit der Kreuzzüge im 11. und 12. Jhd. n. Chr. vermittelt Syrien neben Andalusien und Sizilien dem Abendland nicht nur das durch muslimische Gelehrte zusammengeführte Wissen der islamischen Welt, sondern der Orient hält auch Einzug in Baustil und Lebensart. Gerade das auf dem rund 700 Meter hohen DjaBaal Kalil gelegene Craq de Chevaliers, dessen Anblick das gesamte Umland in der Ebene von Homs beherrscht, gilt als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der Kreuzfahrerzeit. Als Festung des Emirs von Homs errichtet wurde es 1102 von den Kreuzrittern erobert und als weit vorgeschobener Verwaltungsmittelpunkt diente es der Verteidigung der Ostgrenzen der Grafschaft Tripoli und konnte, dank der Stationierung von 2000 Mann bis 1271 gehalten werden. Die Anlage besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: einem äußeren Befestigungsring und der durch eine im 13. Jhd.
entstandene zweite Mauer geschützten Kernburg, die in weiten Teilen noch aus dem 12. Jhd. stammt. Von den Türmen aus dieser Zeit hat sich allerdings leider nur der Nordwestturm halten können. Seinen Reichtum verdankte es - neben den Stiftungen pilgernder Kreuzfahrer - vor allem den Tributzahlungen einheimischer Muslime. Mit Ende der Johanniter am Craq des Chevaliers kam es unter arabischer Herrschaft zu umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen die nach der Einnahme insbesondere im Süden und Osten der Anlage erforderlich waren.
Das heute 220.000 Einwohner beherbergende Hama ist zugleich Zentrum der gleichnamigen Provinz sowie einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Syriens, aber dem Besucher vor allem durch seine beeindruckenden römischen Wasserräder (Nourias) sowie den Azem-Palast bekannt. Die im Herzen der Stadt gelegenen hölzernen Wasserräder, wie sie z.T. auch im Irak, in Ägypten und Marokko eingesetzt werden, wurden in einer horizontalen Achse senkrecht an einem Fluß errichtet, so dass dessen Strömung diese antreibt und erreichen oftmals einen Durchmesser von über 10 m. Die besonders schön erhaltenen 21 m hohen Räder Hamas, bewässern heute Gärten und Parkanlagen. Der 1749 erbaute, um einen weitläufigen Hof angelegte, Azem-Palast in Hama belegt wohl noch deutlicher als jener von Damaskus die vor allem in Syrien anzutreffende Kontinuität der von
den Mamluken geschaffenen Architektur unter den Osmanen. Vor allem die Verkleidung der Wände mit farbigem Marmor statt mit den sonst für diese Periode so typischen glasierten Fliesen, die vergoldeten Holzdecken sowie die außergewöhnlich fein skulpierten Kapitelle sind hierfür ein mustergültiges Beispiel. Darüber hinaus lohnt ein Besuch der an-Nuri-Moschee: 1163 n. Chr. erbaut gilt sie insbesondere dank ihrer altertümlichen Kanzel als Wunder an Schönheit und schöpferischem Geist des 12. Jhds. Die auf der Ostseite des Orontes, in unmittelbarer Nähe des Brückentores im Norden der Zitadelle von Hama, gelegene Abi al-Fida Moschee wurde im Jahre 1326 n. Chr. erbaut und beherbergt das Grab ihres Erbauers, dem König von Hama, dem Geographen und Historiker Ismayl Abu al-Fida. Besonders beeindrucken die wundervollen Mosaikarbeiten mit ihren Marmorbändern. Darüber hinaus finden man in Hama zahlreiche aus dem 7. Jhd.
stammende Karawansereien aber auch die freigelegten antiken Baureste auf dem ehemaligen Zitadellen-Hügel laden den Besucher zum Staunen und Verweilen ein.
Ebenso wie Hama ist das rund 160 km von Damaskus entfernte Homs, das eine etwas doppelte so hohe Einwohnerzahl aufweist, bedeutendes Verkehrs- und Industriezentrum und zugleich auch Sitz eines katholischen Erzbischofs. Besonders ziehen den Besucher die historischen Profanbauten wie die z.T. weitgehend erhalten gebliebenen Karawansereien und Bäder an sowie die schon zur Zeit der Ayyubiden im 12./13. Jhd. entstandene mehrfach, zuletzt zu Beginn des 20. Jhds. unter den Osmanen umgestaltete, Wallfahrtsmoschee Khalid Ibn al-Walid mit ihrem Mausoleum und die große Moschee des Nuri ad-Din Zengi, deren Ursprünge wahrscheinlich schon auf die Zeit vor dem 11. Jhd. zurückgehen.
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