02. Jan

2010

Syrien Highlights

Zuletzt aktualisiert am 15. September 2018

Syrien © B&N Tourismus

Die exponierte geographische Lage zwischen Mesopotamien, Anatolien, dem Mittelmeer und Ägypten verlieh Syrien eine bedeutende Rolle im Fernhandel und öffnete es für Einflüsse benachbarter Kulturen. Ab 634 n.Chr. wurde das Land von der islamisch-arabischen Eroberung erfasst und war zu einer Blütezeit des frühen Islam von 651 – 750 n. Chr. Zentrum des Khalifenreiches der Umayyaden, die noch heute zu bewundernde bedeutende Moscheen und Paläste errichteten.

Damaskus und Umgebung

In Syrien, dem Land zwischen Euphrat und Mittelmeer, wo Kultur- und Religionsgeschichte geschrieben wurde, reiht sich eine überwältigende Fülle von Denkmälern, Kunstschätzen und bedeutsamen historischen Stätten aus über 6000 Jahren aneinander.

Neuere Bodenfunde sowie umfangreiche archäologische Forschungen haben ergeben, dass Syrien bereits zur Altsteinzeit besiedelt war und somit zu Recht zur Wiege der Menschheit gezählt werden darf. Besondere Bedeutung kommt dem Land aber auch aus religiöser Hinsicht zu, schließlich ist die Region eng mit der Entstehung und Entwicklung der drei großen monotheistischen Lehren – Christentum, Islam und Judentum – verbunden. Vor allem vom 9. bis 15. Jhd. spielten die Wissenschaftler der islamischen Welt, und insbesondere die in Syrien lebenden, eine führende Rolle. Das Land bildete ein wesentliches Scharnier zwischen Orient und Okzident.

Durch den Fernhandel reich gewordene Städte wie Damaskus und Aleppo, die zusammen mit Hama und Homs quasi das Rückgrat des Landes bilden, sowie die Ruinen von Palmyra an der Seidenstraße gilt es ebenso zu entdecken wie die faszinierenden Landschaften des Euphrattals oder die Mittelmeerküste.

Das auf 691 m.ü.M. gelegene Damaskus, Hauptstadt von Syrien, – man mag es heute kaum zu glauben – ist dank ihrer Lage am Antilibanon – eingebettet in eine fruchtbare Bergrandoase (Ghuta) – und der Versorgung mit Wasser durch den Fluss Barada eine der größten Oasenstädte der Welt mit einer vor dem Bürgerkrieg in weiten Teilen intakten Altstadt, deren wichtigster Teil mit der Großen Moschee, Zitadelle, Suq sowie öffentlichen Gebäuden von einer wohl auf römischen Fundamenten beruhenden Stadtmauer mit sieben Toren umschlossen wird. Daran lehnt sich auch der wohl seit dem 10. Jhd. bestehende Teil der Altstadtquartiere, die sich außerhalb der umfassten Mauern befinden, an.

Bereits im Januar 635 n. Chr. wurde die syrische Metropole Damaskus von muslimischen Heeren erobert und in das arabische Großreich integriert. Die Khalifen der Umayyadendynastie führen Damaskus von der Peripherie in das Zentrum des Islam: Von 661 bis 750 n. Chr. wird von hier aus ein vom Atlantik bis zum Indus reichendes Weltreich regiert und zugleich brachten die Umayyaden den Reichtum der neuen Metropole auf den wohl höchsten Stand ihrer Geschichte, der sich auch heute noch in der Großen Moschee im Herzen der Altstadt erahnen lässt.

Khalid Walid Ibn Abd al-Malik (reg. 705 – 714 n. Chr.) beschloss den Bau der großen Freitagsmoschee, deren Pracht alle übrigen Monumente der arabischen Hemisphäre in den Schatten stellen sollte. Über eine Vorhalle mit Fayencen aus dem 17. Jhd. erreicht man den von drei Minaretten überragten Innenhof mit dem auf acht Säulen ruhenden im byzantinischen Stil gehaltenen Schatzhaus. Unter seiner Kuppel wurde einst der Staatsschatz verwahrt. Im Ostteil des Gebetssaals wird als wertvollste Reliquie das Haupt Johannes des Täufers bzw. dem Propheten Yahya im Islam aufbewahrt. Obwohl sie, bedingt durch Zerstörungen und Feuersbrünste, zahlreiche Umwandlungen erfahren hat gilt sie bis heute als eines der eindrucksvollsten Meisterwerke der islamischen Architektur und als Paradebeispiel früharabischer Pfeilerhallen-Moscheen. Als historisches Symbolzeichen politischer Vormacht und des moralischen Prestiges des Islam wird sie, wie die gesamte Altstadt von Damaskus, seit 1979 zum Weltkulturerbe gerechnet.

Bedeutendes Zentrum der muslimischen Orthodoxie war die Stadt auch seit 1154 n. Chr. unter Nur ad-Din. Während seiner Herrschaften entstanden zahlreiche religiöse Gebäude, Moscheen und Madrasa (Koranschulen) wie z.B. das Krankenhaus Maristan an-Nuri, eines der wichtigsten Denkmäler aus dieser Periode. Die meisten der die Stadt schmückenden Monumente stammen jedoch aus der Zeit der Ayyubiden, die im 13. Jhd. Damaskus bis zur Mongoleninvasion beherrschten bevor das Land, nach einem kurzen Intermezzo der Mamluken (1260 – 1516 n. Chr.), Teil des Osmanischen Reiches wurde. Unter den Osmanen kam Damaskus eine wichtige Rolle bezüglich der Wallfahrt nach Mekka zu, die dank damit verbundener enormer Handelsaktivitäten zugleich eine der Haupteinnahmenquellen bildete. Die vor allem zwischen der Umayyaden Moschee und der Via Recta, einer der Durchgangsstraßen durch die Altstadt, entstandenen Karawansereien mit ihren fein ziselierten Säulen und Fensternischen sind heute weitgehend in die Suqs (Märkte) integriert. Die längste überdachte Marktstraße des Suqs al-Hamidiah, dem traditionellen Geschäftsviertel, verläuft rund 600 Meter nahe der Zitadelle, die auf Initiative des ersten seldjukischen Fürsten als eine der richtungweisendsten Befestigungsanlagen des Maschreq entstand.

Eines der beeindruckensten Bauwerke osmanischer Zeit liegt dagegen im Süden der Altstadt im Suq al-Buzuriyya: Der im 18. Jahrhundert vom damaligen türkischen Gouverneur errichtete Azem-Palast jener Familie die von 1725 bis 1783 – als quasi lokale Pascha-Dynastie – die Stadt regierte. Der prunkvolle Palast spiegelt nicht nur die tiefgreifenden Veränderungen der osmanischen Architektur durch die Beeinflussung mit syrischen Elementen wider, sondern ist auch ein prachtvolles Beispiel für den ungewöhnlichen Luxus der Provinz verschmolzen mit höchster Eleganz. In der Nähe des im Osten gelegenen ältesten Stadttors (Bab al-Shaki über das einst schon Ibn al-Walid die Stadt eroberte) an der Sharia Hannaniyya befindet die unterirdisch angelegte dem Heiligen Ananias geweihte Kirche, wo dieser einst auf Geheiß Gottes den erblindeten Saulus wieder sehend gemacht hat.

Rund drei Kilometer von der Altstadt entfernt, am Fuße des Berges Qasyun, von dem man insbesondere am Abend einen wunderschönen Blick auf Damaskus genießen kann, wurde bereits im 12. Jhd. ein neuer Stadtbezirk (as-Salihiyaa) errichtet. Aufgrund der für damalige Zeit großen Entfernung behielt dieser lange Zeit seinen eigenständigen Charakter, der Dank seiner religiösen Gebäude und Gräber sowie eines eigenen Suqs bis heute bewahrt werden konnte.

Platzmangel innerhalb der ursprünglichen Altstadt, die Umfangsmauer hatte ihren eigentlichen Verteidigungszweck wohl auch schon verloren, gilt als einer der Hauptgründe, weshalb unter den Osmanen die umfangreichen Erweiterungsbauten außerhalb ausgeführt wurden. Westlich der Suqs, rund zwei Kilometer entfernt, entstanden die Moschee und die Takiyya Salimiyya in Salihiyya (1517 – 1518) und die Takiyya Sulaymaniyya (1554 – 1560). Hier findet man heute u.a. auch den so genannten Handwerker-Suq, der zum Einkauf von Reiseandenken einlädt und das Nationalmuseum, eine der archäologischen Schatzkammern Syriens.

Mit der Verbreitung des Kaffees in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts tauchte auch ein neuer gesellschaftlicher Treffpunkt im städtischen Leben auf: Das heute nicht mehr weg zu denkende Kaffeehaus, das man an jeder Straßenecke findet. Eines der schönsten liegt hinter der Umayyaden Moschee am Suq al-Hamidiah, zahlreiche weitere laden z.B. im Dreieck zwischen Cham Palace Hotel, dem 1908 – 1913 im neo-orientalischen Stil von deutschen Architekten geplanten Hedschas-Bahnhof und Altstadt zum Schauen und Verweilen ein.

Vor den Toren von Damaskus, in Westsyrien sowie insbesondere entlang der Hänge des Antilibanons liegen einige der ältesten Klöster der Welt. In Maalula, rund eine Autostunde von Damaskus entfernt, wo man heute noch Aramäisch, die Sprache Jesus spricht, finden sich die Gebeine der Heiligen Thekla, einer Schüler des Paulus, die als erste christliche Märtyrerin verehrt wird. Empfehlenswert ist darüber hinaus die Besichtigung des in der Nähe liegenden orthodoxen Frauenklosters von Mar Musa in Seidnaya. Südlich von Damaskus lohnt sich der Besuch der antiken Stadt Bosra, einst eine wichtige Karawanenstation. An den Glanz längst vergangener Zeit – einst war im 2./3. Jhd. v. Chr. Bosra Hauptstadt der römischen Provinz Arabia – erinnern die zahlreichen Baudenkmäler aus Antike und Mittelalter wie das aus der römischen Zeit stammende Theater um das im 13. Jhd. eine Festung errichtet wurde (im Sommer wird hier ein internationales Musik- und Theaterfestival veranstaltet), die Reste einer byzantinischen Basilika sowie die aus dem 8. Jhd. stammende Omarmoschee, mit einem der ältesten, vollständig erhaltenen gewölbten Mihrabs.

Palmyra und Deir az-Zor

Die Metropole der Wüste gehört neben Damaskus und Aleppo mit Sicherheit zu den herausragenden Höhepunkten  aber auch die Wüstenschlösser sowie die am Euphrat liegende Stadt Deir az-Zor wissen den Besucher zu verzaubern.

Von Damaskus kommend tauchen am Horizont zuerst einige unscheinbare Grabhügel auf bevor – wie eine Fata Morgana, das grüne Meer, die Palmengärten der Oase Palmyra (arab. Tadmor) – erkennbar sind, die bis zum Beginn hellenistischer Zeit zurück schon nachweisbar sind.

Inmitten des Sandes, auf halben Weg zwischen Orontes und Euphrat, erheben sich beeindruckend Baal-Tempel, Triumphbogen und Grabtempel, die alle über eine großzügig angelegte Allee miteinander verbunden sind.

Bereits früh zeigte sich Rom an der Oase, der eine Schlüsselrolle im internationalen Handel zukam, interessiert. Im Rahmen einer Marketingkampagne beschloss Tiberias die Kosten des größten Heiligtums von Palmyra, den Baal-Tempel, zu übernehmen um sich den Eintritt Palmyras über die Angliederung an die Provinz Syrien in das römische Weltreich zu sichern, so sie künftig als Portus Palmyra bzw. Hafen der Wüste in den römischen Steuerunterlagen geführt wird. Mit dem Vordringen der Sassaniden im 3 Jhd. n. Chr. verringerte sich der Handel mit Mesopotamien spürbar und man wandte sich stattdessen Ägypten zu.

Königin Zenobia, die sich gerne als Nachfahre der legendären Kleopatra bezeichnen ließ, unternahm den Versuch Palmyra zur Metropole der orientalischen Welt auszubauen, erklärte ihre Unabhängigkeit und entsandte Truppen denen es sogar gelang das ägyptische Alexandria sowie die Provinzen bis Galatien in Kleinasien zu unterwerfen. Zenobias macht war allerdings nicht von Dauer und bereits zwei Jahre später sollte 271 n. Chr. Ägypten wieder in das römische Lager zurück. Zenobias Reich zerfiel komplett.

Ihre Denkmäler auf einem rund 12 qkm großen Ruinenfeld sind aber auch heute noch mehr als beeindruckend und zeugen von der glanzvollen Vergangenheit dieser Stadt. Auf den ersten Blick scheint Palmyra mit seinen Prunkstrassen, dem Theater und dem Triumphbogen eine typisch hellenistisch-römische Stadt gewesen zu sein, doch Archäologen gelang es festzustellen, dass die Kunst von Palmyra stark semitisch beeinflusst wurde und die Eigenheiten der aramäischen und arabischen Bevölkerung in den Baustil Einzug fanden.

Dem strengen, militärischen Aufbau zogen die lokalen Planer eine abwechslungsreiche Stadtlandschaft vor. Das Rückgrat in der architektonischen Stadtausbildung bildet die rund 1100 m lange Kolonnadenstrasse die den Grabtempel im Nordwesten und den Baal-Tempel im Südosten verbindet.

Als eines der bedeutendsten Bauwerke gilt der Baal-Tempel, zentrales Heiligtum der Palmyrener, der allein schon durch seine äußeren Dimensionen seine Besucher beeindruckt: die je 200 m lange Umfriedung bilden einen vier Hektar großen Temenos. Abseits der großen Säulenstrasse im Nordosten der Stadt stößt der Besucher auf das Baalschamin-Heiligtum, das als eines der vier religiösen Zentren Palmyras gilt.

Darüber hinaus beeindruckt in Palmyra aber vor allem auch die Grabarchitektur, die eine besondere Ausformung in den berühmten mehrstöckigen Grabtürmen nahm, von denen rund 150 erhalten geblieben sind, die zu Beginn unserer Zeitrechnung errichtet wurden. Die in den knapp vierhundert unterirdischen Grabkammern ausgestellten Grabskulturen boten darüber hinaus auch die Möglichkeit der Entwicklung einer eigenen Ästhetik, die sich deutlich von ihren römischen bzw. hellenistischen Vorbildern unterscheidet.

Die umayyadischen Wüstenschlösser mit ihrer bemerkenswerter Qualität hinsichtlich architektonischer und dekorativer Ausgestaltung in der syrischen Wüste, z.B. das zwischen Palmyra und Deir az-Zor gelegene Qasr al-Heir ash-Sharq, galten lange Zeit als Jagdschlösser. Untersuchungen ergaben allerdings, dass diese auch als Zentren riesiger Landgüter arabischer Landesfürsten bzw. arabischer Khalifen fungierten.

Dank einer umfassenden Bewässerung und einer produktiven Landwirtschaft entstanden blühende Landwirtschaften, wie die auf Luftbildaufnahmen als Umfassungsmauern identifizierten Überreste beweisen. Die meisten Wüstenschlösser erinnern Dank ihres quadratischen Grundrisses und den an den Ecken befindlichen, die Mauern verstärkenden Rundtürmen, an den antiken Limes sichernde römisch-byzantinische Kastelle.

Die am Westufer des Euphrat auf einer Höhe von 194 m gelegene Deir az-Zor im Osten Syriens entwickelte sich erst recht spät von einer im 18 Jhd. noch relativ unbedeutenden Siedlung und späteren osmanischen Garnison zu einem Wirtschaftszentrum mit heute rund 200.000 Einwohnern.

Aleppo, Craq des Chevaliers, Hama

Die im Norden von Syrien, an der historischen Schnittstelle zu den Großmächten Ägypten, Kleinasien und Mesopotamien, gelegene orientalisch-islamische Handelsmetropole Aleppo kann ähnlich wie Damaskus auf eine Besiedlung seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. zurückblicken, wie hethitische, akkadische und ägyptische Quellen schriftlich belegen.

Ihre Bedeutung und ihr daraus gewachsener Reichtum ergaben sich aus ihrer geografischen Lage als Wüstenhafen und Umschlagplatz der Karawanen der Weihrauch- und Seidentraße. Die islamische Eroberung der Stadt 636 n. Chr. brachte dieser aber zunächst den Aufschwung, den Damaskus insbesondere unter den Umayyaden erlebte. In den kommenden Jahrhunderten, insbesondere unter den Abbasiden, die ihre Hauptstadt nach Bagdad verlegen, gerät zunächst einmal aber ins politische Abseits und wird nach der Wiedereroberung durch Byzanz 962 n. Chr. zu weiten Teilen zerstört, so dass mit Ausnahme der von den Umayyaden errichteten großen Moschee kaum bauliche Zeugnisse des frühen Islam erhalten geblieben sind.

Die in der frühislamischen Zeit sich bereits herauskristallisierende Zentralisierung der Innenstadt verfestigte sich jedoch in den kommenden Jahrhunderten und unter den Mamluken entstanden vor allem im 15. Jhd. beachtliche Bauwerke. Der beachtliche Bazar wurde komplett mit steinernen Tonnengewölben überdacht und mit repräsentativen, für die Zeit der Mamluken charakteristischen, in weißen und schwarzen Steinreihen gehaltenen Eingangsportalen versehen.

Auch unter den Osmanen verliert Aleppo seine Bedeutung als Handelsmetropole nicht und wird in zeitgenössischen Reiseberichten, Dank ihrer alles überragenden Zitadelle, dem Suq und dem eleganten Stadtbild, als die drittprächtigste Stadt, neben Kairo und Istanbul, charakterisiert. Die spätosmanische Bebauung wird beispielsweise in der Sharia Khandaq, gegenüber der Großen Moschee, besonders deutlich.

Als eines der markantesten Bauwerke darf wohl die Zitadelle von Aleppo, zugleich Wahrzeichen der Stadt, gelten. Aufgrund des Umstands, dass sie nur durch einen einzigen Eingang über eine Brücke erreicht werden kann, ist sie zugleich die größte und mächtigste aller islamisch-mittelalterlichen Burgen in Syrien, die auch während der Kreuzfahrerzeit nicht erobert wurde. Ihre Geschichte reicht arabischen Quellen zufolge auf Seleukos, dem vermutlichen Gründer Aleppos, zurück, archäologisch gesichert ist eine Bebauung zu byzantinischer Zeit.

Insbesondere unter Nur ad-Din (reg. 1146 – 1173 n. Chr.) wird der Ausbau und die Sicherung Aleppos und damit auch der Zitadelle betrieben, die neben ihrer militärischen Funktion als Garnison auch als Residenzstätte des ayyubidischen Hofes fungierte. Weitere umfangreiche Baumaßnahmen als Folge des so genannten Mongolensturms wurden dann noch einmal vom letzten mamlukischen Sultan in Auftrag gegeben, so dass das heute zu sehende Bild im wesentlichen auf diese beiden Epochen syrischer Geschichtsschreibung zurückgehen dürfte.

Die unterhalb der Zitadelle und der Großen Moschee gelegenen großflächig überdachten Suqs von Aleppo gelten als überragendes Musterbeispiel für Marktanlagen im Vorderen Orient sowie im gesamten Mittelmeerraum. Hier wird die Bedeutung und die Ausstrahlung der Stadt überdeutlich sichtbar.

Der historische Stadtkern von Aleppo stammt wie bei einer Vielzahl von Orten in der Region bereits im hellenistischen Zeitalter, der mit seinem schachbrettartigen Muster auch heute noch erkennbar ist. Bereits im 8. Jhd. n. Chr umfassten die Bauaktivitäten auch die Gegend um die große Umayyaden Moschee, wo sechs neue Suqs entstanden. Mitte des 15. Jhds. kam es zur umfangreichen Expansion bei der zahlreiche neue Vororte entstanden und zu einem Bauboom, der auch unter den Osmanen anhielt. Die Altstadt Aleppos zählt heute zum Weltkulturerbe.

Die Umgebung von Aleppo lädt zur Erkundung der toten Städte aus der byzantinischen Zeit (Qalb Lhose, Qirq Biseh, al-Bara) sowie der Klosterruine von St. Simon ein. Die in Form eines Oktagons rund sechzig Kilometer von Aleppo entfernte byzantinische Basilika wurde am Ende des 5. Jhds. zu Ehren St. Simon Stylites erbaut, in deren Mitte jene Säule stand, auf der er vierzig Jahre lang gelebt haben soll. Das Kloster gilt als ein wichtiges Beispiel der von syrischen Architekten der byzantinischen Epoche erreichten Schönheit.

Rund siebzig Kilometer entfernt, in der benachbarten Provinz Idlib, liegt Ebla (Tell Mardikh), ein Ruinengelände, dessen älteste Teile auf das 3. Jahrtausend v. Chr. datiert werden. Die Bedeutung Eblas wurde mit dem 1955 entdeckten Basaltaltar enthüllt. Weitere im Anschluss durchgeführte archäologische Kampagnen legten eine Stadt frei, die mit einem innen liegenden Wall versehen war, zu welchem vier große Tore und eine mit Türmen versehene Festung gehören. Die Hauptstraße führte von der Stadtmauer zum Palast des Königs, wo Tontafeln gefunden werden konnten, die nachweisen, dass die Stadt um 2250 v. Chr. zerstört wurde.

Der wirkliche Schatz Eblas liegt jedoch vor allem in den königlichen Archiven mit ihren auf rund 16.000 Tontafeln festgehaltenen offiziellen Dokumenten und Korrespondenzen mit denen ein wichtiger Teil der syrischen Geschichte rekonstruiert werden konnte.

Lattakia ist ein beliebtes Erholungszentrum für die Einwohner der im Südosten bzw. Nordosten gelegenen Großstädte aber auch ein bedeutendes Industriezentrum dank seines 1961 eröffneten Hochseehafens. Rund zwölf Kilometer von Lattakia entfernt liegt die altsyrische Handelsstadt und Residenz des gleichnamigen Stadtstaates Ugarit, der für die Erforschung der Region besondere Bedeutung zukommt, da man hier im Rahmen von umfangreichen Grabungsmaßnahmen nicht nur einen weiträumigen Palast sowie Tempel und Wohnviertel fand, sondern auch zahlreiche Zeugnisse der bis dahin unbekannten keilalphabetischen Schrift. Die Funde beweisen aber auch die historische Bedeutung Ugarits, denn die in acht Sprachen und fünf verschiedenen Schriftsystemen gefundenen Dokumente belegen ebenso wie Keramik und Kleinfunde die engen Beziehungen zu Kreta, Ägypten und Mesopotamien.

Zur Zeit der Kreuzzüge im 11. und 12. Jhd. n. Chr. vermittelt Syrien – neben Andalusien und Sizilien – dem Abendland nicht nur das durch muslimische Gelehrte zusammengeführte Wissen der islamischen Welt, sondern der Orient hält auch Einzug in Baustil und Lebensart. Gerade das auf dem rund 700 Meter hohen DjaBaal Kalil gelegene Craq de Chevaliers, dessen Anblick das gesamte Umland in der Ebene von Homs beherrscht, gilt als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der Kreuzfahrerzeit. Als Festung des Emirs von Homs errichtet wurde es 1102 von den Kreuzrittern erobert und als weit vorgeschobener Verwaltungsmittelpunkt diente es der Verteidigung der Ostgrenzen der Grafschaft Tripoli und konnte, dank der Stationierung von 2000 Mann bis 1271 gehalten werden. Die Anlage besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: einem äußeren Befestigungsring und der durch eine im 13. Jhd. entstandene zweite Mauer geschützten Kernburg, die in weiten Teilen noch aus dem 12. Jhd. stammt. Von den Türmen aus dieser Zeit hat sich allerdings leider nur der Nordwestturm halten können. Seinen Reichtum verdankte es, neben den Stiftungen pilgernder Kreuzfahrer, vor allem den Tributzahlungen einheimischer Muslime. Mit Ende der Johanniter am Craq des Chevaliers kam es unter arabischer Herrschaft zu umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen die nach der Einnahme insbesondere im Süden und Osten der Anlage erforderlich waren.

Das heute 250.000 Einwohner beherbergende Hama ist zugleich Zentrum der gleichnamigen Provinz sowie einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Syriens, aber dem Besucher vor allem durch seine beeindruckenden römischen Wasserräder (Nouria’s) sowie den Azem-Palast bekannt. Die im Herzen der Stadt gelegenen hölzernen Wasserräder, wie sie z.T. auch im Irak, in Ägypten und Marokko eingesetzt werden, wurden in einer horizontalen Achse senkrecht an einem Fluss errichtet, so dass dessen Strömung diese antreibt und erreichen oftmals einen Durchmesser von über zehn Meter. Die besonders schön erhaltenen zwanzig Meter hohen Räder Hamas, bewässern heute Gärten und Parkanlagen.

Der 1749 erbaute um einen weitläufigen Hof angelegte Azem Palast in Hama belegt wohl noch deutlicher als jener von Damaskus die vor allem in Syrien anzutreffende Kontinuität der von den Mamluken geschaffenen Architektur unter den Osmanen. Vor allem die Verkleidung der Wände mit farbigem Marmor statt mit den sonst für diese Periode so typischen glasierten Fliesen, die vergoldeten Holzdecken sowie die außergewöhnlich fein skulpierten Kapitelle sind hierfür ein mustergültiges Beispiel. Darüber hinaus lohnt ein Besuch der an-Nuri-Moschee: 1163 n. Chr. erbaut gilt sie insbesondere dank ihrer altertümlichen Kanzel als Wunder an Schönheit und schöpferischem Geist des 12. Jhds. Die auf der Ostseite des Orontes, in unmittelbarer Nähe des Brückentores im Norden der Zitadelle von Hama, gelegene Abi al-Fida Moschee wurde im Jahre 1326 n. Chr. erbaut und beherbergt das Grab ihres Erbauers, dem König von Hama, dem Geographen und Historiker Ismayl Abu al-Fida. Besonders beeindrucken die wundervollen Mosaikarbeiten mit ihren Marmorbändern. Darüber hinaus finden man in Hama zahlreiche aus dem 7. Jhd. stammende Karawansereien aber auch die freigelegten antiken Baureste auf dem ehemaligen Zitadellen-Hügel laden den Besucher zum Staunen und Verweilen ein.

Ebenso wie Hama ist das rund einhundert sechzig Kilometer von Damaskus entfernte Homs, das eine etwas doppelte so hohe Einwohnerzahl aufweist, bedeutendes Verkehrs- und Industriezentrum und zugleich auch Sitz eines katholischen Erzbischofs. Besonders ziehen den Besucher die historischen Profanbauten wie die z.T. weitgehend erhalten gebliebenen Karawansereien und Bäder an sowie die schon zur Zeit der Ayyubiden im 12./13. Jhd. entstandene mehrfach, zuletzt zu Beginn des 20. Jhds. unter den Osmanen umgestaltete, Wallfahrtsmoschee Khalid Ibn al-Walid mit ihrem Mausoleum und die große Moschee des Nuri ad-Din Zengi, deren Ursprünge wahrscheinlich schon auf die Zeit vor dem 11. Jhd. zurückgehen.

Levante Highlights
Bildnachweis: Syrien © B&N Tourismus